Wecker auf Tisch in Arztpraxis mit Text zur Wartezeit auf einen Termin und Hinweis auf Notfälle

Wartezeiten in der Hausarztpraxis – Hintergründe verständlich erklärt

11. April 2026 | von Dr. R. Michalski

 

Warum es trotz Termin zu Wartezeiten kommen kann

 

Wer einen Termin hat, möchte verständlicherweise pünktlich drankommen. Das geht uns genauso. Umso frustrierender ist es, wenn es trotzdem zu Wartezeiten kommt.

 

Uns ist wichtig, offen mit Ihnen darüber zu sprechen, warum das in einer Hausarztpraxis manchmal nicht zu vermeiden ist.

 

Der wichtigste Grund ist einfach: Wenn ein Mensch akut krank ist oder dringend Hilfe braucht, behandeln wir sofort. Ohne Zögern. Unabhängig davon, wie der Terminplan aussieht.

 

Das ist kein Organisationsproblem – das ist unser Anspruch als Ärztinnen und Ärzte.

 

Als Hausarztpraxis sind wir oft die erste Anlaufstelle, wenn es ernst wird. Nicht nur für unsere eigenen Patientinnen und Patienten, sondern auch für Pflegeheime, das Hospiz, Krankenhäuser, Apotheken oder das Gesundheitsamt. Wir sind in der Notfallmedizin und in der Palliativmedizin tätig und eng mit vielen Partnern im Gesundheitswesen vernetzt.

 

Zusätzlich übernehmen wir Verantwortung über die Sprechstunde hinaus:

  • 24-Stunden-Rufbereitschaft für palliativ betreute Patientinnen und Patienten – auch an Wochenenden und Feiertagen
  • Regelmäßige kassenärztliche Notdienste – nachmittags, nachts, am Wochenende und an Feiertagen

All das gehört zu unserem Alltag.

 

Was viele nicht sehen: Während Sie im Wartezimmer sitzen, laufen oft im Hintergrund mehrere dringende Situationen gleichzeitig.

 

Vielleicht ruft das Hospiz an, weil sich der Zustand eines schwerkranken Menschen plötzlich verschlechtert hat. Es geht um Atemnot, Unruhe, starke Beschwerden – und darum, schnell zu helfen und einen Krankenhausaufenthalt möglichst zu vermeiden.

 

Kurz darauf meldet sich ein ärztlicher Kollege. Ein Patient ist instabil. Jetzt muss innerhalb weniger Minuten entschieden werden: Reicht das nächstgelegene Krankenhaus – oder ist ein Rettungshubschrauber in eine spezialisierte Klinik notwendig?

 

Dann ruft ein Pflegeheim an. Ein Bewohner ohne Hausarzt hat sich deutlich verschlechtert. Es braucht sofort ärztliche Anordnungen, damit die Versorgung vor Ort gelingen kann.

 

Eine Apotheke meldet sich, weil ein wichtiges Herzmedikament nicht lieferbar ist. Damit die Behandlung nicht unterbrochen wird, muss schnell eine passende Alternative gefunden werden.

 

Aus dem Krankenhaus kommt ein Anruf: Während einer Operation wurde unerwartet ein Tumor entdeckt. Jetzt braucht es eine kurzfristige Rückmeldung, wie es weitergehen soll.

 

Und manchmal meldet sich auch das Gesundheitsamt. Bei einer ansteckenden Erkrankung muss entschieden werden, welche Maßnahmen für das Umfeld notwendig sind – zum Beispiel für eine Schulklasse.

 

In solchen Momenten müssen wir sofort reagieren. Wir müssen entscheiden, beraten, koordinieren – oft alles gleichzeitig.

 

Und genau dann verschieben sich Termine.

 

Eine Ultraschalluntersuchung, eine Gesundheitsuntersuchung, ein EKG, ein Hautkrebsscreening oder ein Gespräch – all das kann sich in solchen Situationen verzögern.

 

Für Sie bedeutet das ganz konkret: Trotz Termin kann es vorkommen, dass Sie 15 oder 20 Minuten warten müssen.

 

Wir wissen, dass das ärgerlich ist. Wirklich.

 

Deshalb haben wir bereits vieles angepasst: Wir haben Pufferzeiten eingeplant und unsere Sprechzeiten ausgeweitet. Trotzdem lassen sich solche Situationen nicht vollständig verhindern.

 

Gleichzeitig ist uns eines besonders wichtig: Wenn Sie bei uns sind, sollen Sie sich gut betreut fühlen. Deshalb nehmen wir uns bewusst Zeit für Sie. Für jeden Termin planen wir mindestens 10 bis 15 Minuten ein – oft auch mehr, wenn es notwendig ist. Und natürlich können Sie auch mehrfach im Quartal zu uns kommen, wenn es Ihre Gesundheit erfordert.

 

Das ist nicht selbstverständlich.

 

Denn im System der gesetzlichen Krankenversicherung werden rechnerisch im Durchschnitt nur etwa 11 Minuten ärztliche Zeit pro Patient für ein gesamtes Quartal vergütet. Ganz gleich, wie oft jemand kommt oder wie komplex die Situation ist.

 

Ein einfaches Beispiel: Wenn Sie einen Handwerker bestellen, wird jede Minute Arbeit bezahlt – die Anfahrt, die Zeit vor Ort, das Material.

 

In der Hausarztmedizin ist das anders. Hier wird alles pauschal vergütet. Selbst dann, wenn wir uns mehrfach kümmern oder besonders viel Zeit investieren.

 

Allein die Anfahrt zu einem Hausbesuch kann länger dauern als diese 11 Minuten.

 

Trotzdem nehmen wir uns diese Zeit – weil es uns wichtig ist.

 

Damit wir allen gerecht werden können, sind wir aber auch auf Ihre Unterstützung angewiesen. Wenn Sie einen Termin haben, konzentrieren Sie sich bitte auf Ihr wichtigstes Anliegen. Für weitere Themen vereinbaren Sie am besten einen zusätzlichen Termin. So können wir für alle ausreichend Zeit einplanen.

 

Und noch eine kleine Bitte: Seien Sie nicht verunsichert oder traurig, wenn mitten in der Sprechstunde unser Notfalltelefon klingelt. In diesem Moment braucht ein anderer Mensch gerade dringend Hilfe. Wir kümmern uns so schnell wie möglich – und sind danach wieder ganz für Sie da.

 

Und vielleicht hilft ein letzter Gedanke:

 

Wenn Sie selbst oder ein Ihnen nahestehender Mensch einmal plötzlich dringend Hilfe braucht, zählt jede Minute.

 

Dann sind auch Sie dankbar, wenn andere Menschen Verständnis haben und kurz warten – damit schnell geholfen werden kann.

 

Genau so arbeiten wir jeden Tag.

 

Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihr Vertrauen.