Was beim ersten palliativmedizinischen Hausbesuch passiert

05. September 2026 | von Dr. R. Michalski

Wenn wir zum ersten Mal zu einem palliativmedizinischen Hausbesuch kommen, fragen viele Angehörige vorher: Was passiert da eigentlich? Muss ich etwas vorbereiten? Und heißt das jetzt, dass es zu Ende geht?

Die letzte Frage zuerst: Nein. Palliativ heißt nicht, dass es zu Ende geht. Viele Menschen begleiten wir über Monate, manche über Jahre. Es heißt auch nicht, dass wir aufhören zu behandeln – sondern dass sich das Ziel ändert: Nicht mehr die Vorbeugung steht im Mittelpunkt, sondern das, was Ihnen heute guttut.

An Ihrer Praxis ändert sich nichts

Es kommt etwas dazu. Sie bleiben, wo Sie sind, und bekommen die palliativmedizinische Behandlung obendrauf. Wir sind neben der hausärztlichen Versorgung auch Palliativärzte und kommen zu Ihnen nach Hause, ins Pflegeheim und ins Hospiz. Die Krankenkasse zahlt das.

Wir nehmen uns Zeit

Der erste Besuch dauert deutlich länger als eine normale Visite, und das hat einen Grund: Wir müssen nicht nur wissen, welche Diagnose im Arztbrief steht, sondern wie der Alltag aussieht. Wo steht das Bett? Kommt jemand die Treppe hoch? Wer ist tagsüber da? Was macht gerade am meisten Angst?

Bitte planen Sie diese Zeit ein und legen Sie sich, wenn es geht, nichts direkt danach in den Kalender.

Was Sie vorbereiten können

Vier Dinge helfen uns sehr:

  • Alle Medikamente auf den Tisch. Nicht die Liste – die Packungen. Wir sehen dann, was wirklich genommen wird und was nur noch im Schrank steht.
  • Die letzten Arztbriefe und Befunde. Krankenhausberichte, Onkologie, Laborwerte. Wenn Sie unsicher sind, was wichtig ist: Legen Sie alles hin, wir sortieren.
  • Wer ist beteiligt? Pflegedienst, onkologische Praxis, andere Fachärzte, Nachbarn, die einkaufen. Wir schreiben das auf, damit wir uns abstimmen können.
  • Ihre Fragen, aufgeschrieben. Im Gespräch geht die wichtigste erfahrungsgemäß unter. Ein Zettel auf dem Tisch verhindert das.

Falls es eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht gibt, legen Sie sie dazu. Falls nicht, ist das auch in Ordnung – wir bringen die Vordrucke beim nächsten Mal mit.

Worüber wir sprechen

Zuerst über die Beschwerden: Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Schlaf, Appetit, Unruhe. Was ist am schlimmsten, was lässt sich am schnellsten ändern?

Dann über die Medikamente. Häufig setzen wir bei diesem Termin etwas ab, nicht nur an. Cholesterinsenker, Osteoporosemittel und Ähnliches sollen etwas verhindern, das erst weit in der Zukunft eintreten könnte – dieses Ziel gilt jetzt nicht mehr. Dazu kommt: Ein geschwächter Körper baut Medikamente anders ab, und was jahrelang gut vertragen wurde, belastet jetzt oft mehr, als es nützt. Unterm Strich nehmen Sie danach weniger Tabletten als vorher.

Und dann, wenn Sie möchten, über das, was kommt. Wir drängen niemanden zu diesem Gespräch. Aber wir bieten es an.

Was wir dalassen: die Bedarfsmedikation

Das ist der praktisch wichtigste Teil des Besuchs. Wir verordnen Ihnen Mittel gegen Schmerz, Atemnot, Übelkeit und Unruhe, die bei Ihnen zu Hause bereitliegen – dazu einen Plan, wann sie gegeben werden dürfen.

Bewahren Sie diesen Plan zusammen mit der Patientenverfügung in einer Mappe auf, sichtbar im Flur oder am Kühlschrank. Dann weiß auch ein fremder Rettungsdienst mitten in der Nacht sofort, was gilt.

Kommt später ein Palliativteam dazu, ergibt sich daraus der Krisenbogen: Das Team schreibt darin auf, welches Medikament bei welchem Symptom gegeben werden darf, und wir zeichnen ihn ab. Deshalb kann das Team dann auch nachts sofort handeln, ohne erst fragen zu müssen.

Wie es danach weitergeht

Einen festen Visitenplan gibt es bei uns nicht, und das ist Absicht: Was heute genügt, kann morgen zu wenig sein. Wir kommen nach Ihrem Bedarf.

Und Sie bekommen eine klare Ansage, wen Sie anrufen, wenn sich etwas ändert. Zu unseren Sprechzeiten unterbrechen wir dafür die Sprechstunde – in der Regel ist einer von uns binnen einer halben Stunde bei Ihnen. Für die Zeit danach nennen wir Ihnen persönlich eine Nummer.

Für Rezepte, Bescheinigungen und Formulare müssen Sie ab dann nirgendwo mehr hinfahren. Rezepte schalten wir frei, Bescheinigungen bringen wir mit – auch für Beschwerden, die mit der schweren Erkrankung nichts zu tun haben.

Der häufigste Fehler

Zu lange warten. Viele Familien rufen erst an, wenn es akut nicht mehr geht – nachts, am Wochenende, in einer Krise. Dann ist vieles schwieriger, als es sein müsste.

Das gilt auch für das Palliativteam: Wir holen es früh dazu, nicht erst, wenn es nicht mehr anders geht. Je eher es Sie kennt, desto ruhiger werden die Nächte.

Sie möchten das für sich oder einen Angehörigen besprechen? Rufen Sie an unter 05341 8538-0 oder sprechen Sie uns in der Sprechstunde an. Mehr dazu auf unserer Seite Palliativmedizin.

Die palliativmedizinische Mitbetreuung übernehmen wir übrigens auch dann, wenn Sie in Ihrer bisherigen Hausarztpraxis bleiben möchten.